Gewaltlosigkeit

Wann immer ich Kenntnis davon nehme, wie Unrecht geschieht, wie jemand leiden muss, berührt dies ein gewisses in mir vorhandenes Volumen an Leid, eine Enttäuschung und Frustration, ab der Tatsache, dass jene, von welchen dieses Leid ausgeht, welche es durch ihre Handlungen erzeugen, im besten Fall nicht realisieren, dass sie Leid erzeugen oder diesen Umstand im schlimmsten Fall gar geniessen.

In Reflexion dessen, fühle ich mich in aller Regel traurig, ohnmächtig, wütend und verzweifelt zur gleichen Zeit.

Es können einfache Dinge sein, die mich in einen solchen Zustand versetzen, wie, dass ich wahrnehme, wie jemand sich einsam fühlt oder unter etwas Externem, wie Kälte, Durst oder Hunger leidet.

Es können aber auch Dinge sein, wie dass ich Kenntnis davon nehme, dass Menschen wie Tiere schlecht behandelt werden; von lieblosem Umgang bis Quälen oder gar Töten.

Ich nehme dann wahr, dass mich in aller Regel dabei nicht bloss die Empathie mit einem anderen Wesen emotional und gedanklich beschäftigt, sondern auch eine gewisse Enttäuschung oder Wut auf mich selbst, in vielen solchen Situationen nichts Nachhaltiges gegen ein solches "Leid" unternehmen zu können.

Überall in dieser Welt begegne ich Menschen wie Tieren, die meiner Wahrnehmung nach verhaltensgestört sind, verängstigt, verunsichert, mit mangelndem Selbstbewusstsein oder mangelnder Selbstliebe.

Ich nehme diese Abläufe als Teufelskreis wahr. Denn, Gequälte werden in der Regel zu sich selbst quälenden und dadurch letztlich oft zu quälenden Anderer. Letzteres trifft zwar auf mich — da bin ich mir ziemlich sicher — nicht zu, Vorletzteres hingegen durchaus.

So bin ich durch meine empathische Ausprägung beispielsweise zwar in der Regel nicht die Ursache für das Leid Anderer, durch die Kräfte zwischen wahrgenommenem Leid Anderer und der Ohnmacht in mir, nichts dagegen unternehmen zu können, aber die Ursache für mangelnde Rücksicht auf mich, mangelndes Mitgefühl mit mir, mangelnde Liebe mir selbst gegenüber.

Oft wirkt auf mich zudem erschwert ein, dass ich auch Verständnis/Mitgefühl für jene Wesen habe, von denen Gewalt ausgeht. Dass diese es vermutlich auch nicht einfach hatten in ihrem Lieben, nicht genug Liebe erfuhren oder es schlicht nicht besser zu machen gelernt haben.

#philosophie
2025-01-26 (amadeus)