Endlich am heilen

Rückblick

Die zurückliegenden 5-10 Jahre versuchte ich intensiv, einen aus meiner Jugend rezidivierenden Leistenbruch ohne Spitalgang zu heilen und habe dazu einen Grossteil meines Lebensstils umgestellt.
Im Laufe der Heilversuche habe ich dadurch unter anderem mein damaliges Übergewicht abbauen können, sowie viele andere kleinere und grössere Problemchen wie beispielsweise Gelenkschmerzen, chronisch verstopfte Nase und Kopfschmerzen aus meinem Leben verbannen können.

Trotz der vielen positiven Entwicklungen in dieser Zeit wurden gewisse Dinge aber nicht besser bzw. gar schlechter.
Der Leistenbruch fing z.B. an, mich im Alltag mehr zu stören, so sehr, dass ich ohne einen ziemlich unangenehmen Bruchgurt eigentlich kaum mehr etwas unternehmen konnte.
Ausserdem wurde mein Gleichgewicht mit der Zeit schlechter, dies vor allem, da meine Beine je länger, desto mehr taub wurden.

Plastikrückstände

Mitte 2024 erfuhr ich dann, dass viele meiner Symptome wohl nicht in einem direkten Zusammenhang mit dem Leistenbruch stehen, sondern eher davon, wie dieser in meiner Jugend "repariert" wurde. Damals (1994) wurde mir nämlich ein Netz verbaut, das mein Körper auch 15 Jahre nach der Operation noch abzuwehren versuchte, was zu teils starken Schmerzen und immer wieder auch zu Ohnmachtsanfällen führte.

Wie ich heute weiss, bauten sich frühe Versionen dieser Netze im Körper oft nicht ab, sodass diese über die Zeit brüchig werden und dann mit scharf gewordenen Kanten u.a. auch Nervenschäden verursachen konnten.
Es werden noch heute weltweit tausende von Klagen gegen die Hersteller dieser Netze geführt.

Die Suche

Nach langem Suchen fand ich dann Ende 2024 glücklicherweise einen Chirurgen im Bangkoker Bangpakok 9 International Hospital, der dazu bereit war, einerseits nach Plastikrückständen in meinem Bauch zu suchen und andererseits den Bruch ohne das Verbauen eines neuen Netzes zu reparieren.

In Absprache mit dem Chirurgen haben meine Frau und ich uns bezüglich der Reparatur des Leistenbruchs dann für die Desarda-Methode entschieden. Shouldice, eine andere, populäre Methode für das Reparieren von Leistenbrüchen, war ausser Frage, da diese bloss bei erstmalig und nicht rezidivierenden (wieder auftretenden) Leistenbrüchen eingesetzt werden kann. Hätte Desarda nicht möglich sein sollen, z.B. weil meine Gewebe in einem zu schlechten Zustand hätten sein können, stand uns als Plan B die Lichtenstein-Methode zur Verfügung. Letztere unterscheidet sich von Desarda im Wesentlichen durch eine andere Art der Vernähung.

Die Operation im Detail

  1. Die Operation selbst verlief dann so, dass ich zuerst Blutdruck, EKG usw. gemessen bekam.
  2. anach für die Anästhesie vorbereitet und dann in das Operations-Theater, wie es der operierende Chirurg stets nannte, gefahren wurde, wo ich in Embryo-Stellung gebracht und mir die lange Spritze der Spinal Block Anästhesie in die Wirbelsäule eingeführt wurde.
  3. Der Chirurg hat dann eine etwa 6-8 cm grosse Öffnung in die Bauchwand geschnitten (in mehreren Anläufen, um keine Gewebe oder etwa Nervenbahnen oder den darunter geführten Samenleiter zu verletzen) und dann als allererstes den Samenleiter etwas herausgezogen und auf der Seite der Öffnung gesichert.
  4. Anschliessend hat er die Plastikreste gesucht und entfernt.
  5. Danach hat er den Bruchsack herausgezogen und zugleich am Beginn abgetrennt und verätzt (er hat für sämtliche Schnitte ein heisses Messer benutzt, sodass während der Operation kaum Blut floss).
  6. Gewebe meines eigenen Körpers wurden dann verwendet, um die einzelnen, verletzten, Hautschichten zu überlagern und individuell zu vernähen sowie letztlich den Bruch zu verschliessen.
  7. Zu guter Letzt wurde dann der Samenleiter wieder in Position gebracht sowie die Bauchdecke ebenfalls geschlossen und vernäht.

Die Ursache meines Leistenbruchs

Der Chirurg teilte uns dann abschliessend noch mit, dass mein Leistenbruch ein sogenannter indirekter, kongenitaler Leistenbruch sei. Es handele sich dabei gemäss seiner Aussage also um einen Defekt, der bereits entstand, als ich noch ein Baby war. Dann nämlich, als die Hoden vom Körper inneren durch die beiden Leistenkanäle in den Hodensack wanderten.
Normalerweise werden nach Abschluss dieser Hodenmigration die inneren und äusseren Ringe der Leistenkanäle geschlossen, was in meinem Fall offenbar auf der rechten Seite nicht passierte und dadurch eine Schwachstelle in dieser Region entstand, durch die später dann der Bruch überhaupt erst entstehen konnte.

Genesung

Während ich diesen Text schreibe, bin ich mich bereits von der Operation am Erholen. Aktuell liege ich nahezu permanent und versuche mich zu schonen. Alles verlief so weit gut, sodass ich nun endlich und abschliessend am heilen bin, um danach dann mein Leben neu starten können werde. 🥳

Happy end

Ich bin unheimlich dankbar für die Reise, das Erlernte, die Unterstützung, vor allem von meiner Frau, aber auch von all den vielen, lieben Menschen, die mir Mut zusprachen und positive Energie für die Operation schickten und kann das nahende Happyend nach wie vor kaum fassen. 😇

#lebensneuigkeiten
2025-02-16 (amadeus)